Venture-Capital
Die deutsche Übersetzung des Begriffs Venture-Capital (kurz VC) geht von Wagniskapital, Chancenkapital, Risikokapital bis hin zu Beteiligungskapital. Es handelt sich dabei um Finanzierungen junger Technologie-Unternehmen mit herausragenden Wachstumschancen (Start-ups) durch institutionelle Investoren (Venture-Capital Gesellschaften, kurz VCG). Es gibt über 100 Venture Capital-Gesellschaften, die in Deutschland aktiv sind. Sie stellen, ähnlich den Business Angels, Eigenkapital, umfangreiches Know-how und ihre Kontakte zur Verfügung. Dafür erhalten die Investoren i.d.R. Unternehmensanteile und dadurch ein Mitspracherecht bei wichtigen Entscheidungen, etwa bei großen Investitionen oder der Besetzung von Geschäftsführerposten. Die Beteiligung erfolgt i.d.R. in Form von offenen und / oder stillen Beteiligungen.
Im Unterschied zu einer klassischen Banken- oder Fremdkapitalfinanzierung, verlangt der Investor i.d.R. keine Sicherheiten für sein Investment, stellt bilanzielles Eigenkapital zur Verfügung und plant seine Rendite über eine Steigerung des Unternehmenswertes und dem Verkauf seiner Unternehmensanteile zu erzielen. Daher strebt der Kapitalgeber nach einigen Jahren (in der Regel drei bis max. fünf) einen Exit aus dem Unternehmen an. Dieser Ausstieg erfolgt normalerweise über einen Börsengang (IPO) bzw. über den Verkauf (Trade Sale) an eine andere Firma. Hierbei kann es auch dazu kommen, dass die Gründer ihre Anteile mitverkaufen müssen. Es handelt sich bei der Beteiligung durch einen Venture-Capital Investor von Anfang an um eine Partnerschaft auf Zeit.
Die Anforderungen, um Venture-Capital zu erhalten, sind hoch: Die Geschäftsidee sollte ein Marktpotenzial für Wertsteigerungsraten von 25-60% pro Jahr haben und das Management-Team muss genügend Branchen- und Unternehmens-Know-how mitbringen, um diese Idee kurzfristig mit großem Erfolg umsetzen zu können. Entscheidend ist, dass ein möglicher Exit von Anfang an klar erkennbar ist. Ein überzeugender Businessplan allein genügt heute bei weitem nicht mehr, um VC-Investoren zu begeistern.
VC-Finanzierungen finden meist in der Expansionsphase des Unternehmens statt, d. h. Umsatz, Geschäftsbeziehungen und erfolgreiche Produkte sind bereits vorhanden. Finanziert wird vor allem die Markterschließung. Die Finanzierung der Gründungs- bzw. Seed-Phase ist in den vergangenen Jahren in Deutschland zunehmend schwieriger geworden und wird derzeit vorwiegend durch öffentliche Investoren wie den High-Tech Gründerfonds, Bayern Kapital oder private Business Angels abgedeckt. Außerdem investieren VC-Gesellschaften in der Regel erst ab einem Finanzbedarf von ca. 500.000 Euro, viele auch erst ab 1 Million Euro. Das vereinbarte Gesamtinvestment wird meist in mehreren Raten ausgezahlt, die an das Erreichen bestimmter Ziele (Milestones) geknüpft sind.
Sind VC-Gesellschaften interessiert, folgt die so genannte Due Diligence, eine umfassende Prüfung der Geschäftsidee, des Marktes, des Unternehmens und – nicht zu vergessen – des Unternehmerteams. Fällt diese positiv aus, beginnen erste Verhandlungen, bei denen ein Angebot vorgelegt wird, die Konditionen der angestrebten Beteiligung besprochen und schriftlich fixiert werden (Memorandum of Understanding (MoU) oder auch Letter of Intent (LoI)). Einigt man sich, erfolgen weitere Prüfungen, bis es zum eigentlichen Beteiligungsvertrag und zur Auszahlung kommt.
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Ablauf einer VC-Finanzierung
Nachfolgende Grafik stellt den beispielhaften Ablauf einer Venture-Capital Finanzierung dar.
Quelle: Handbuch zur Businessplan-Erstellung der fun netzwerk nordbayern GmbH
Investorensuche
Sofern sich Gründer / Unternehmen für Venture-Capital zur Finanzierung des Unternehmens entscheiden, stellt sich die Frage, wie der passende Investor gefunden werden kann. Hier gibt es im Wesentlichen drei Wege, die sich als Erfolg versprechend herausgesellt haben.
- Recherche nach in Frage kommenden Gesellschaften und direkte Ansprache.
Neben einer Google gestützten Recherche im Internet eignet sich hierfür vor allem die Homepage des Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (kurz BVK). Hier lassen sich die Mitglieder des BVK (nahezu alle deutschen Venture-Capital Gesellschaften sind Mitglied) sehr komfortabel nach Kriterien wie Investmenthöhe, -art, Branche, Finanzierungsphase, Region u.a. filtern. Die Ergebnisliste zeigt neben den allgemeinen Kontaktdaten weitere Infos sowie einen Link zur Homepage des jeweiligen Investors für weitere, detaillierte Recherchen.
- Teilnahme an Businessplan-Wettbewerb
Viele VCG's sind als Juroren in die Businessplan-Wettbewerbe involviert. Über eine Wettbewerbsteilnahme kommen die Teilnehmer also automatisch in Kontakt mit den Investoren. Sofern diese den vorgelegten Businessplan interessant finden, treten sie von sich aus in Kontakt mit den Gründern / Unternehmern. Auf den verschiedenen Veranstaltungen der Businessplan-Wettbewerbe in Deutschland trifft man häufig auf Vertreter von Venture-Capital Gesellschaften und kann diese in einer zwanglosen Atmosphäre persönlich kontaktieren.
- Präsentation auf Investorenkonferenzen
Von verschiedenen Institutionen werden regelmäßig Investorenkonferenzen / Finanzierungsforen ausgerichtet. Hier bekommen Kapital suchende Unternehmen die Möglichkeit, ihr Vorhaben in meistens 10-20 Minuten im Rahmen einer Präsentation den anwesenden Investoren zu präsentieren. Die Präsentation wird i.d.R. ergänzt durch einen Präsentationsstand für das Unternehmen auf dem sich die interessierten Investoren dann einfinden können. Mittlerweile haben die Konferenzen meistens einen Branchen- und/ oder Regionalfokus.
Kleiner Tipp: Sofern Sie noch keinen Kontakt mit Venture-Capital hatten, kontaktieren Sie nicht die Investoren zuerst, die Ihres Erachtens perfekt passen und Ihre Wunschkandidaten sind. In den seltensten Fällten klappt es mit dem ersten Kontakt. Sprechen Sie lieber zuerst einige andere Investoren an und üben Sie etwas. Nehmen Sie das Feedback auf und lernen Sie über die Abläufe und Anforderungen. Wenn Sie sich fit fühlen, treten Sie an Ihre Wunschkandidaten heran.
Die 10 „Gebote“ im Umgang mit Venture Capital-Gesellschaften
von Thomas W. Kühr (www.equity4ventures.de):
1. Überprüfen Sie Ihr Geschäftsmodell auf VC-Tauglichkeit: Exponentielles Wachstum (Marktgröße), Alleinstellungsmerkmale, Kundennutzen, Wettbewerbsvorteil, Alternative Technologien, Substitutionsgefahren, Kapitalbedarf
2. Stellen Sie ein qualifiziertes Management-Team zusammen:
Komplementäre Talente! Berufs- und Branchen-Erfahrung, Schlüsselpositionen (Kleeblatt) besetzt oder kurzfristig besetzbar (CEO, COO, CTO, CFO)
3. Erstellen Sie einen professionellen Businessplan:
Die Erstellung des Businessplans ist Kernkompetenz des Unternehmers und des Management-Teams! Keine Delegation an Berater, denn die haben nur eine Hilfsfunktion - Sie sind persönlich verantwortlich für den Inhalt und müssen ihn „verkaufen“ und verteidigen. Achten Sie dabei auf Vollständigkeit und formalen Aufbau. Und hüten Sie sich vor „Gigantonomie“ bezüglich Planumsatz und Kapitalbedarf!
(Mustervorlagen der VC-Anbieter findet man meistens auf deren Internetseite oder beim Verband BVK oder in der Fachliteratur).
4. Wählen Sie geeignete VC-Anbieter aus:
Erfahrung, Background, Track Record, Potential für „adding value“, Referenzen aus dem Portfolio, Teamstruktur, Alter des Fonds, verfügbare Finanzmittel für Neuinvestments, Beteiligungsverträge, Informations-, Mitsprache- und Kontrollrechte.
5. Kontaktaufnahme zu den selektierten VC-Fonds auf informellen Weg
durch renommierte „Netzwerker“: für VC-Gesellschaften stellen Empfehlungen aus dem persönlichen Netzwerk die wichtigste Quelle für qualitativ hochwertige potenzielle Portfoliounternehmen dar. Auch die aktive Teilnahme an Venture-Foren bietet die Chance, sich und sein Konzept den Investoren vorzustellen -
über den Wert sogenannter „Elevator-Sales-Pitches“ mag man aber streiten.
6. Einladung zum Vorstellungstermin:
Professionelle Unternehmenspräsentation vorbereiten und durchziehen.
Sichern Sie sich ab, dass die technische Infrastruktur für Ihre Präsentation vorhanden ist – oder bringen Sie alles mit!
Für den „ersten Eindruck“ gibt es nur 1 Chance!
Schaffen Sie eine Sympathie- und Vertrauensbasis!
Verhalten Sie sich durchsetzungsstark und überzeugend, aber auch flexibel, mobil und lernfähig.
7. Nutzen die VC-Expertenprüfung
um Ihren Businessplan abzuändern oder weiterzuentwickeln.
Seien Sie offen für Kritik und Anregungen!
Verstecken Sie keine „Leichen im Keller“…
8. Due Diligence
Unterstützen Sie die Due Diligence–Prozedur mit allen Kräften offen und ehrlich, sagen Sie die Wahrheit und geben Sie geeignete Referenzen ab (aber informieren Sie diese Referenzen vorher).
9. LoI - Letter-of-Intend Verhandlung:
Reden Sie nicht zu früh über die Unternehmensbewertung:
„The longer they check, the hotter they become, the more they are willing to pay”!
Versuchen Sie nicht, VCs gegeneinander auszuspielen (man kennt sich)!
10. Vertragsverhandlung und -abschluss:
Ziehen Sie anwaltliche Beratung hinzu; Zügige Terminfindung
und ggf. Kompromissbereitschaft bei noch offenen Punkten.
Wenn Sie diese Punkte beherzigen, steht einer soliden Venture-Partnerschaft Nichts mehr im Wege - aber denken Sie immer daran: Es handelt sich hierbei nicht um eine Liebesheirat, sondern um eine Vernunftehe auf Zeit – mit einem entsprechenden Ehevertrag…
Literatur
- Wolfgang Weitnauer: Handbuch Venture Capital: Von der Innovation zum Börsengang, Beck: München 2007, ISBN 978-3-406-55748-4
Weblinks
- Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften
- BayBG Bayerische Beteiligungsgesellschaft mbH
- Bayern Kapital
- European Private Equity and Venture Capital Association
- High-Tech Gründerfonds
- KfW Mittelstandsbank bzw. ERP-Startfonds
- Neuhaus Partners GmbH
- S-Refit AG
- Investorenübersicht auf startupwiki.org
- Ventegis Capital AG
- Businessplan-Wettbewerb Nordbayern
- Deutsches Eigenkapitalforum
Workshops und Seminare
- Seminar am 10.05.2012: Präsentieren mit Wirkung - von der Idee zur Story
- Seminar am 13.06.2012: Grundlagen der Unternehmensfinanzierung - Informationen und Tipps aus erster Hand
