Geschäftsidee
Man unterscheidet in der Praxis generell zwischen zwei Ideentypen: der Produkt- und der Dienstleistungsidee.
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Produktidee
Eine Produktidee umfasst die Entwicklung eines materiellen oder immateriellen Produkts, das bisher noch nicht auf dem Markt vorhanden war und einen Nutzen stiftet. Eine Produktidee wird zur Geschäftsidee, wenn jemand bereit ist, für diesen Nutzen Geld zu bezahlen. Gute Produktideen sind u. a. dadurch gekennzeichnet, dass sie skalierbar sind. Beispielsweise entwickelt ein Pharmahersteller ein Medikament, was in der Regel mit hohen Investitionen verbunden ist. Er steht vor der Herausforderung, mit dem Verkauf dieses Medikaments seine hohen Entwicklungskosten und einen gewünschten Gewinn zu erwirtschaften. Teuer ist dabei die Entwicklung. Die spätere Produktion der Medikamente ist dagegen günstig und leicht skalierbar.
Dienstleistungsidee
Im Unterschied dazu ist die Dienstleistungsidee zu sehen. Mit Dienstleistung ist die Entwicklung eines Dienstes gemeint, der einem möglichen Kunden einen Nutzen stiftet. Wiederum unter der Voraussetzung, dass Kunden dann auch bereit sind, für diesen Nutzen Geld zu bezahlen, kann eine solche Dienstleistungsidee zu einer Geschäftsidee werden. Allerdings ist der Nutzen dieser Ideen meistens schwerer skalierbar. Die Dienstleistung charakterisiert im Gegensatz zur Produktidee, dass man sie nicht beliebig oft verkaufen kann bzw. zunächst Mitarbeiter einstellen und ausbilden muss. Häufig werden diese speziell im Kundenauftrag entwickelt und erfordern für neue Kunden wieder eine andere Konzeption. Man fängt also beim nächsten Kunden wieder bei Null an. Ein Softwareunternehmen, das eine Website für ein Unternehmen entwickelt hat, kann diese kaum identisch für ein zweites verwenden. Ein Anwalt kann zwei verschiedene Mandanten nicht völlig deckungsgleich vertreten. Nichtsdestotrotz ist der Dienstleistungssektor der am stärksten gewachsene wirtschaftliche Sektor der letzen fünfzig Jahre und stellt heute den umsatzstärksten Wirtschaftsbereich in Deutschland dar.
Bestandteile einer potenzialträchtigen Geschäftsidee
Herausragender Kundennutzen
Um eine Geschäftsidee erfolgreich auf den Markt zu bringen, muss man sich in die Lage der Kunden versetzen. Ausschließlich diese sind es, die entscheiden, ob eine Idee ein Erfolg wird. Es zeigt sich, dass der Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg nicht großartige Produkte allein, sondern vor allem zufriedene Kunden sind. Diese kaufen Produkte, um ein Bedürfnis zu befriedigen oder ein Problem zu lösen. Viele Unternehmensgründer haben aber zuerst einmal ein Produkt und technische Details seiner Konstruktion und Herstellung vor Augen, wenn sie von einer „Lösung“ sprechen. Fragen Sie sich stattdessen, welches Problem Sie beim Kunden lösen können.
Achten Sie also darauf, dass Ihre Idee einen solchen Kundennutzen aufweist. Eine Idee kann nur marktfähig werden, wenn der Nutzen, der sich aus ihr ergibt, für den Kunden erkennbar ist und einen Wert besitzt. Andernfalls wird sich der Kunde nicht für den Kauf interessieren. Sie sollten daher den Kundennutzen in den Mittelpunkt aller Überlegungen stellen. Ziel muss es sein, die Probleme der Kunden besser als bisher bzw. besser als andere Unternehmen in Bezug auf Zeit, Kosten und Qualität zu lösen. Dann haben Sie einen Vorsprung vor der Konkurrenz. Um einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil zu haben, ist es wichtig, dass Sie später diesen Vorsprung halten oder sogar ausbauen können. Der Kundennutzen ist das wesentliche Differenzierungsmerkmal zu anderen Unternehmen – eine Kernfrage des Marketings – und entscheidend für den Markterfolg Ihrer Geschäftsidee. In der Marketing-Praxis spricht man davon, dass der Kundennutzen in einem einzigartigen Nutzenangebot (Unique Selling Proposition oder USP) formuliert werden muss.
Ausreichend großer Markt
Eine Geschäftsidee hat nur dann einen wirtschaftlichen Wert, wenn sie sich in Form eines Produkts/einer Dienstleistung in ausreichend großer Menge am Markt durchsetzt. Überlegen Sie sich, wie groß der Markt für Ihre angebotene Leistung insgesamt sein kann, für welche Zielkundengruppe(n) sie bestimmt ist und inwiefern sie sich von der Konkurrenz abhebt. Ein Markt ist dann groß genug, wenn es aufgrund Ihrer Marktrecherche eine ausreichende Anzahl an (potenziellen) Kunden gibt. Mit Konkurrenz müssen Sie immer rechnen, sei es direkt von Unternehmen, die ein ähnliches Produkt anbieten, oder von Ersatzprodukten (Substituten), die das Kundenbedürfnis ebenfalls erfüllen. Überlegen Sie sich, wer Ihre wichtigsten Konkurrenten sein werden und warum Sie mit Ihrer Geschäftsidee die Konkurrenz überflügeln können.
Machbarkeit und Profitabilität
Um zum realen Markteintritt zu gelangen, muss die Machbarkeit der Geschäftsidee gegeben sein. Es wird unterschieden zwischen technischer und ökonomischer Machbarkeit.
- Technische Machbarkeit bedeutet, dass die Umsetzung Ihrer Geschäftsidee mit den verfügbaren
bzw. beschaffbaren Mitteln realisierbar ist.
- Die ökonomische Machbarkeit besagt, dass die wirtschaftlichen Folgen mit dem existierenden Know-how und den vorhandenen Ressourcen bewältigt werden können. Letztendlich heißt das, dass sich die Idee rentieren und man damit Geld verdienen muss. Weiter müssen spezifische Gegebenheiten wie rechtliche Vorschriften und Standards stets eingehalten werden.
- Ein Unternehmen muss langfristig Gewinn erwirtschaften, um am Markt bestehen zu können. Gewinn heißt, vereinfacht gesagt, Erlöse minus Kosten. Versuchen Sie einmal abzuschätzen, welche einmaligen und welche laufenden Kosten für Gründung und Aufbau Ihres Unternehmens anfallen werden und ab wann Sie mit Ihren Einnahmen die laufenden Kosten des Geschäftsbetriebs mittel- bis langfristig decken können.
Innovationshöhe der Geschäftsidee
Unter Innovation ist im Allgemeinen das Hervorbringen neuartiger Produkte oder Dienstleistungen und deren Durchsetzung am Markt zu verstehen. Warum braucht ein Unternehmen Innovationen? Ganz einfach: Durch innovative Produkte und Dienstleistungen können Sie sich von anderen abheben. Das Unternehmen Amazon ist ein gutes Beispiel für einen innovativen Vertriebsweg, mit dem es sich hervorheben konnte. Es nutzt das Internet, um Bücher direkt zu vertreiben. Kunden können bequem von zu Hause bestellen, anstatt in einer Buchhandlung ein Buch zu kaufen. Dies stellte sich als großer Wettbewerbsvorteil heraus.
Geschäftsideen, die auf einer Innovation begründet sind, lassen sich nach den Arten
- Produktinnovation
- Dienstleistungsinnovation
- Verfahrensinnovation (Innovation im Geschäftssystem)
unterscheiden, wobei in jeder Kategorie entweder auf Bestehendem aufgebaut oder etwas völlig Neues entwickelt werden kann. Bei der Produkt- bzw. Dienstleistungsinnovation werden üblicherweise neue Produkte mit herkömmlichen Produktionsmethoden hergestellt und über herkömmliche Vertriebskanäle zum Kunden gebracht. Beispielsweise werden Mobiltelefone ständig neu entwickelt, aber auf bekannte Art und Weise produziert und meistens standardisiert als Angebot mit einem Mobilfunkvertrag verkauft. Verfahrensinnovationen wiederum bedeuten neues Wissen, das im Geschäftssystem angewandt wird, um so einen Vorteil gegenüber den Wettbewerbern in der Produktionstechnologie (z. B. schneller, billiger oder umweltfreundlicher), in der Kombination der Einsatzfaktoren (Maschinen, Personal, Rohstoffe) oder in der Distribution zu erlangen. Henry Ford beispielsweise baute mit seinem T-Modell ein einfaches und für jedermann erschwingliches Automobil. Zuvor musste er jedoch eine Methode entwickeln, Automobile günstiger zu produzieren als bis dato möglich. Daraufhin entwickelte er die Fließbandfertigung, ein völlig neues Produktionsverfahren.
Unter Geschäftssystem ist, vereinfacht gesagt, die Art und Weise zu verstehen, wie ein Produkt oder eine Dienstleistung entwickelt, hergestellt und vermarktet wird. Innovationen im Geschäftssystem sind weniger offensichtlich, aber genauso bedeutend. Der Erfolg von Dell beruht zum Beispiel auf signifikanten Kosteneinsparungen dank neuartigem Direktvertrieb und neuartiger Produktionsform. So wird ein Computer erst nach Eingang einer Bestellung hergestellt, und das binnen kürzester Zeit und genau auf die Bedürfnisse des Kunden angepasst.
Bei der Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen steht die Verbesserung der vielschichtigen Dimension Kundennutzen im Vordergrund; Innovationen im Geschäftssystem streben vor allem niedrigere Kosten und schnellere Durchlaufzeiten an, die dann zum Teil in Form niedrigerer Preise an die Kunden weitergegeben werden.
Eher selten gelingt es, die beiden Dimensionen der Innovation – Produkt und Geschäftssystem – zu verbinden und eine neue „Industrie“ zu begründen. Ein Beispiel hierfür ist die Mobilfunkindustrie. Um den Aufbau der GSM-Netze voranzutreiben, wurden Mobiltelefone in Kombination mit einem Vertrag zu sehr niedrigen Preisen unter dem Einkaufspreis bzw. den Herstellkosten abgegeben. Man gab also ein neu entwickeltes Produkt günstig ab. Dies war gleichzeitig die Entwicklung eines neuen Geschäftssystems, da solche Produkte normalerweise zu hohen Preisen verkauft werden. Von diesem Geschäftssystem profitieren beide Partner, sowohl die Betreiber von Mobilfunknetzen als auch die Mobiltelefonhersteller, da dieses Modell einerseits zu hohen Stückzahlen in der Produktion von Mobiltelefonen führt, andererseits die Ausbreitung der Mobilfunknetze fördert. So können die Produzenten ihre Telefone zu normalen Preisen an die Netzbetreiber verkaufen. Diese wiederum decken die für sie entstandenen Kosten mit den Einnahmen aus den Gebühren.